“Dann hat er es geheim gehalten”

Julian Nagelsmann betont, dass er schon als Kind Bayern-Fan war – dennoch erfuhr er wegen seiner 1860-Vergangenheit zuletzt Argwohn einiger FCB-Anhänger.

Julian Nagelsmann nahm es gelassen. Er habe sie mitbekommen, die unflätigen Gesänge einiger Bayern-Anhänger, die ihn beim Testspiel gegen Ajax letzten Samstag in der Allianz Arena wegen seiner Vergangenheit beim Stadtrivalen 1860 München beleidigten.

Nagelsmann, du Sau, zurück zum TSV!“, riefen sie. “Wie man sich äußert, muss jeder mit seinem Gewissen ausmachen”, reagierte der neue Trainer des FC Bayern München hinterher auf der Pressekonferenz: “Du kannst nicht jeden glücklich machen. Gewisse Dinge musst du einfach abkönnen.”

Dass nicht jedem Fan des FCB gefalle, dass er mehrere Jahre seines fußballerischen Lebens bei den Löwen verbracht hat, sei ihm ohnehin klar gewesen, betonte Nagelsmann. Ebenso wie er seit Bekanntwerden seines Wechsels von RB Leipzig an die Säbener Straße mehrfach betonte, schon als Kind und Jugendlicher dem FC Bayern die Daumen gedrückt zu haben.

Dennoch war Nagelsmanns Zeit bei 1860 in den vergangenen Tagen wegen der beleidigenden Zwischentöne eines der größten Themen rund um den deutschen Rekordmeister. Aber wie genau sah die Zeit des 34-Jährigen bei den Blauen aus der bayerischen Landeshauptstadt eigentlich aus?

Julian Nagelsmann: Mit 14 zu 1860 München

2002, als 14-Jähriger, wechselte Nagelsmann vom FC Augsburg in den Nachwuchs der Sechziger. Dort war er Teil eines sehr starken 1987er-Jahrgangs um Stefan Aigner (126 Bundesligaspiele für Bielefeld und Frankfurt) oder die späteren Nationalspieler Christian Träsch (Deutschland) und Fabian Johnson (USA). Hinzu kam Julian Baumgartlinger (seit 2016 bei Bayer Leverkusen) aus dem Jahrgang 1988.

Nagelsmann spielte in der Innenverteidigung, in der U19 bildete er mit dem Kanadier Kent O’Connor ein starkes Duo. Letzterer sei eher für das Grobe zuständig gewesen, erinnert sich der damalige U19-Trainer Claus Schromm laut Süddeutscher Zeitung – und Nagelsmann übernahm vornehmlich den Spielaufbau: “Ein Stratege, der das Spiel damals schon verstanden hat”, betont Schromm.

Mit Träsch verstand sich Nagelsmann seinerzeit besonders gut. Die beiden waren Zimmerkollegen im 60-Internat, machten zusammen das Abitur. “Er war damals ein klasse Kicker, wer weiß was aus ihm geworden wäre, wenn er nicht wegen seiner gesundheitlichen Probleme hätte aufhören müssen”, wird Träsch von Sport1 zitiert.

Auch Coach Schromm glaubt, dass es Nagelsmann auch als Spieler in den Profibereich hätte schaffen können, ist zudem nicht verwundert, dass er stattdessen Trainer wurde: “Man sieht schon, ob sich ein Spieler Gedanken macht über das Spiel. Ob ihm wichtig ist, was man trainiert, wie man trainiert. Wie man spielen lässt. Warum man so spielen lässt.”

Julian Nagelsmann bei 1860: Derbysiege gegen Sandro Wagner

In seinen beiden U19-Jahren wurde Nagelsmann mit dem 60-Nachwuchs jeweils Vierter in der Süd/Südwest-Staffel der A-Junioren-Bundesliga. Ein Foto von ihm und seinem späteren Spieler in Hoffenheim, Sandro Wagner, aus einem Derby mit 1860 gegen den Nachwuchs des FC Bayern, machte in den Sozialen Netzwerken inzwischen bereits mehrfach die Runde. Mit 3:2 gewannen Nagelsmann und Co. jenes Stadtduell im Februar 2006 übrigens.

Wenige Monate später schaffte Nagelsmann dann zwar den Sprung in die zweite Mannschaft des damaligen Zweitligisten, Verletzungsprobleme machten ihm allerdings schon zu jenem Zeitpunkt extrem zu schaffen. Er erlitt einen Meniskusschaden, hinzu kamen viele weitere chronische körperliche Probleme.

Nach einem Jahr ohne Einsatz bei 1860 II probierte er es im Sommer 2007 noch einmal mit einem Wechsel in die zweite Mannschaft des FC Augsburg, auch dort hatte er mit andauernden Kniebeschwerden zu kämpfen. Anfang 2008 beendete Nagelsmann daher schließlich mit nur 20 Jahren seine aktive Karriere.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *