Gleich mehrfach am Punkt vorbei

Borussia Dortmund hat nach der Niederlage beim FC Bayern München in Person von Kapitän Marco Reus, Emre Can und Trainer Edin Terzic Schiedsrichter Marco Fritz kritisiert – besonders für eine Entscheidung vor dem Gegentor zum 2:3. Dies geht jedoch gleich mehrfach am springenden Punkt vorbei. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Jochen Tittmar. (Hier geht es zu den Highlights des Spiels)

Natürlich kann man im Falle von Marco Reus eine gewisse Emotionalität nachvollziehen, in der er unmittelbar nach der aus Sicht von Borussia Dortmund aufgrund der beiden späten Gegentore ärgerlichen Niederlage gegen den FC Bayern München dem Schiedsrichter Marco Fritz Parteilichkeit unterstellte. Laut des BVB-Kapitäns hätte Fritz das vermeintliche Foulspiel von Leroy Sane an Emre Can – eine halbe Minute später erzielte der FCB das 3:2 – auf Seiten des Gegners gepfiffen.

Auch Can echauffierte sich, Fritz habe “zu viel auf Zuruf” gepfiffen. Für Edin Terzic war Sanes Einsatz ein “klares Foulspiel”, es seien aus Sicht des Interimstrainers “einige ähnliche Dinge gegen uns gepfiffen” worden. Terzic nannte dies eine “Schlüsselszene und mit einer der Gründe” für die Niederlage.

Es ist unstrittig, dass Sanes Zweikampfführung im angesprochenen Fall durchaus grenzwertig und damit am Ende Auslegungssache des Schiedsrichters war. Doch die Dortmunder Kritik an Fritz ist deshalb falsch, weil sie am springenden Punkt vorbeigeht – sogar gleich mehrfach.

Eine Schlüsselszene wäre dieses Duell im Mittelfeld nur dann gewesen, wenn unmittelbar danach das Gegentor gefallen wäre. Das geschah jedoch ausdrücklich nicht, sondern der fragwürdigen Aktion schlossen sich mehrere neue Spielsituationen an: Dortmund stand nach dem Sane-Can-Clash zunächst geschlossen hinter dem Ball, kurz darauf gewann Mats Hummels sogar noch ein direktes Duell und Nico Schulz kam gänzlich ohne Gegnerdruck an den Ball, den er schließlich leichtfertig herschenkte – es hatte schlicht genug Möglichkeiten gegeben, dieses Tor zu vermeiden.

BVB: Warum die Dortmunder Kritik ins Leere zielt

Ohnehin konnten sich die Dortmunder nicht beklagen, als im ersten Abschnitt nach einer Flanke der Arm von Reus im Strafraum ziemlich weit oben war und an den Ball kam – Fritz deutete dies als Schulter.

Wenn es darum geht, eine echte Schlüsselszene der Partie zu finden, die auch Terzic korrekterweise als einen “der Knackpunkte in diesem Spiel” bezeichnete, muss man vielmehr den misslungenen Querpass von Thomas Meunier auf Erling Haaland in der 25. Minute nennen. Diesen Ball muss der Belgier anbringen, mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit hätte es dann 3:0 für den BVB gestanden. Die Aussicht auf mindestens einen Punktgewinn wäre so deutlich erhöht worden.

Doch auch deshalb zielt die Dortmunder Kritik eben ins Leere: Meuniers Pass kam nicht an, diese Szene war das letzte Highlight der Westfalen in dieser Partie. Die Borussia sollte sich in erster Linie mit ihrer nun schon im siebten Spiel in Folge höchst merkwürdigen Herangehensweise in Spielen beim FC Bayern auseinandersetzen.

BVB verkümmert in München regelmäßig

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Bayern bärenstark spielen, über hohe individuelle Qualität verfügen und schwer zu knacken sind. Doch es sind vor allem die biederen Darbietungen der Dortmunder, die die Münchner ein ums andere Mal so übermächtig erscheinen lassen.

Dem BVB fehlte in München, diesmal sogar trotz einer effektiv herausgespielten 2:0-Führung, wieder einmal die Überzeugung und der Mut, um dem Rekordmeister über die gesamten 90 Minuten Paroli zu bieten. Es darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Dortmund mit einer wenig eingespielten Truppe antrat und erst Recht die Partie beendete, doch wer 2:0 führt und gewissermaßen der Underdog ist, der könnte in diesen Momenten aus dem Gefühl der Unterlegenheit auch Stärke und Kampfgeist ziehen, um sich gegen alle Widerstände durchzusetzen.

Dortmund jedoch verkümmert in München regelmäßig mit fortlaufender Spieldauer. Das Selbstvertrauen schrumpfte ungeachtet der vorherigen guten Ergebnisse nicht zum ersten Mal beim FCB zusammen, den fehlenden Glauben an einen Erfolg sah man den Spielern bereits im ersten Abschnitt an.

BVB fehlen im Gegensatz zum FCB stilbildende Eigenschaften

Auf der anderen Seite offenbarte die Bayern-Mannschaft ihre DNA, die für den gesamten Klub identitätsstiftend ist: nicht aufgeben, aggressiv und positiv bleiben, keine Zweifel aufkommen lassen. Der FCB ließ sich vom frühen Doppel-Rückschlag überhaupt nicht erschüttern.

Diese stilbildenden Eigenschaften fehlen dem BVB seit geraumer Zeit und es wird auch die Aufgabe des neuen Trainers Marco Rose sein, die Identität des Vereins wieder deutlich zu schärfen.

Es steht einem Klub wie Borussia Dortmund letztlich überhaupt nicht gut zu Gesicht, sich nach einem verlorenen Spiel mit 4:27 Torschüssen für den Gegner und einem eigenen Ballbesitzanteil von weniger als 35 Prozent mit Kritik am Schiedsrichter aufzuhalten.

BVB: Die kommenden Spiele von Borussia Dortmund

TerminWettbewerbGegnerHeim/Auswärts
09.03.2021Champions LeagueFC SevillaH
13.03.2021BundesligaHertha BSCH
20.03.2021Bundesliga1. FC KölnA
3.4.2021BundesligaEintracht FrankfurtH

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