Eintracht Frankfurt – Doppeltes Gehalt und große Ziele: Warum Fredi Bobic unbedingt zu Hertha BSC will

Warum Fredi Bobics angekündigter Abschied aus Frankfurt bei der Eintracht für große Verärgerung sorgt und was die Hauptgründe für die geplante Rückkehr in seine Heimatstadt Berlin sind. Die Fußball-Kolumne.

Es war das letzte persönliche Treffen vor rund einem Jahr, bevor die große Pandemie kam. Fredi Bobic frönte zusammen mit seiner Frau Britta dem gemeinsamen Laster (Zigaretten) auf einer Dachterrasse mit Blick über Berlin und erwähnte nicht zum ersten Mal, wie großartig er die Hauptstadt finde und wie wohl er sich dort fühle.

2003 war Bobic erstmals nach Berlin gekommen, als Nachfolger von Hertha-Rekordtorjäger Michael Preetz sollte er den Klub in die Champions League schießen. Nach zwei eher enttäuschenden Jahren (acht Tore in 54 Spielen) und nur zehn Startelfeinsätzen in der Saison 2004/05 wurde er nach Vertragsende aussortiert.

Seiner Begeisterung für Deutschlands Metropole tat das aber keinen Abbruch, im Gegenteil. Die Familie erkor die neu erbaute Villa in Dahlem zum Lebensmittelpunkt, wo er bis heute bei allen folgenden Stationen wann immer möglich seine freie Zeit verbracht hat.

Dass der aktuell noch als Sportvorstand bei Eintracht Frankfurt tätige Bobic nun vor einer Rückkehr zur Hertha steht, passt daher irgendwo ins Bild. “Darum liebt Fredi Bobic Berlin”, titelte das lokale Boulevardblatt BZ am Freitag und verwies unter anderem auf seine Vereinsmitgliedschaft sowie die Freundschaft zu den einstigen Hertha-Profis Marko Rehmer und Axel Kruse.

Zudem kenne Bobic “immer noch haufenweise Leute im Verein”, vor allem seine früheren Teamkollegen, Sportdirektor Arne Friedrich, Trainer Pal Dardai und dessen Assistenten Andreas “Zecke” Neuendorf.

Fredi Bobic: Ärger bei Eintracht Frankfurt groß

Auch zum neuen Hertha-Boss Carsten Schmidt hat der Wunschkandidat auf die erneute Preetz-Nachfolge, diesmal als Sportvorstand, aus gemeinsamen Zeiten bei Sky-Vorgänger Premiere einen guten Draht. Insider vermuten, dass die Nachricht über einen Abschied Bobics aus Frankfurt daher Anfang der Woche auch an Sky durchgestochen und bewusst aus Berlin lanciert wurde, um ein wenig von der sportlichen Krise des seit neun Spielen sieglosen Tabellen-15. abzulenken.

Bei der Eintracht schlug die Meldung, die Bobic am Dienstag in der ARD-Sportschau bestätigte, indes ein wie eine Bombe. Zwar hatte der 49-Jährige schon den Aufsichtsratsvorsitzenden Philip Holzer vor dreieinhalb Wochen über das Angebot der Hertha informiert, es sei aber noch keine Entscheidung gefallen, betonte dieser in einer Mitteilung: “Wir haben verabredet, entsprechende Gespräche über einen Verbleib oder einen vorzeitigen Wechsel zu führen und darüber im Sinne des sportlichen Erfolgs der Eintracht absolutes Stillschweigen zu wahren.”

Daher ist der Ärger in Frankfurt groß, dass Bobic diese Vereinbarung einseitig aufgekündigt und damit als leitender Angestellter mitten im Kampf um die Teilnahme an der Champions League für unnötige Unruhe im ohnehin selten ruhigen Umfeld des Traditionsvereins gesorgt habe.

“Das Bobic-Beben – ein brodelndes Gemisch mit Explosionsgefahr”, schrieb sogar die sonst eher zurückhaltende Frankfurter Rundschau. Nicht nur bei Medien und Fans, sondern auch in Teilen des Klubs wird dem Ex-Nationalspieler vereinsschädigendes Verhalten vorgeworfen, das Grund genug für eine sofortige Trennung sei.

Dazu wird es – Stand jetzt – aber nicht kommen. Eine Erfüllung des noch bis 2023 laufenden Vertrags von Bobic ist allerdings ebenfalls nicht mehr denkbar. Dabei soll die Eintracht in den vergangenen Wochen nochmal alle Register gezogen und unter anderem eine deutliche Gehaltserhöhung geboten haben.

Hertha soll Bobic angeblich doppelt so viel wie Frankfurt bieten

Doch mit dem trotzdem immer noch ungefähr doppelt so hohen Angebot der Hertha – inklusive Prämien wird über ein Jahresgehalt bis zu fünf Millionen Euro spekuliert – konnten die Hessen nicht mithalten. Weshalb aber klar ist, dass es auch für die Eintracht nur noch ums Geld geht: Im Raum steht die für Manager bisher nie dagewesene Ablösezahlung von fünf Millionen Euro.

Davon will der Verein angeblich nicht abweichen – auch weil man das Geld seinerseits möglicherweise einsetzen muss, um Nachfolgekandidaten wie Jonas Boldt (HSV) aus laufenden Verträgen herauszukaufen.

Unabhängig davon hält der Unmut auf Seiten der SGE über Bobic an, was auch an dessen Rechtfertigung seines angekündigten Vertragsbruchs liegt. “Dass es jetzt Turbulenzen gibt, ist leider so, es ist aber nicht dem geschuldet, dass ich niemandem Bescheid gegeben hätte. Bei Eintracht Frankfurt war man darauf vorbereitet, dass ich den Verein im Sommer 2021 verlassen werde. Das fällt mir nicht leicht, ich habe aber mein Versprechen gehalten”, erklärte der Sportchef auf Abruf.

Denn er habe schon vor einem Jahr seinen Abschied für den Sommer 2020 avisiert: “Dann wurde ich gebeten, ob ich nicht noch die Corona-Saison durchziehen kann, und ich habe gesagt, das mache ich, schon aus moralischen Gründen. Ich habe gesagt, ich ziehe noch ein Jahr durch – und jeder wusste eigentlich Bescheid.”

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