Claus Vogt und Thomas Hitzlsperger? “Das darf kein Widerspruch sein, das muss zusammengehen”

Grünen-Politiker und VfB-Mitglied Cem Özdemir äußert sich im Gespräch mit SPOX und Goal zum Chaos rund um seinen Herzensverein. Seine wichtigste Botschaft: Präsident Claus Vogt und der Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger sollten sich die Hand reichen.

“Der Krimi in den letzten Wochen hat keinen VfB’ler kalt gelassen und alle, denen der Verein am Herzen liegt, machen sich große Sorgen, über das was in den letzten Wochen passiert ist. Dass der Vereinsbeirat Claus Vogt für das Präsidentenamt nominiert hat und erste personelle Konsequenzen aus der Datenaffäre gezogen wurden, macht Mut, dass wirklich aufgeklärt wird und Thomas Hitzlsperger und Claus Vogt gemeinsam mit allen Beteiligten, den Mitgliedern bis hin zu den Sponsoren an einem glaubwürdigen Neuanfang für den VfB arbeiten”, erklärt Özdemir seine Gefühlslage nach den an Turbulenz und Schmutzigkeit kaum zu überbietenden letzten Wochen.

Am Wochenende hatten sich die Dinge in Stuttgart zum x-ten Mal seit Thomas Hitzlspergers Brandbrief Ende Dezember, in dem Hitzlsperger Präsident Vogt in beispielloser Manier verbal vernichtete und ankündigte, selbst Präsident werden zu wollen, überschlagen. Zunächst wurden die Vorstände Marketing (Jochen Röttgermann) und Finanzen (Stefan Heim) abberufen. Der Aufsichtsrat um seinen Vorsitzenden Claus Vogt reagierte damit auf den Abschlussbericht zur Datenaffäre. Heim und Röttgermann sind die bislang unveröffentlichten Ergebnisse nun offenbar zum Verhängnis geworden. Es gilt inzwischen als gesichert, dass Funktionäre und Mitarbeiter des VfB im Vorfeld der umstrittenen Ausgliederung 2017 Daten Zehntausender Mitglieder an einen externen Dienstleister weiterleitete – ohne Kenntnis der Betroffenen.

Ebenfalls am Sonntag verabschiedete sich fast die Hälfte des Vereinsbeirats, in dem bis zuletzt ein offener Streit zwischen der Pro- und Anti-Vogt-Fraktion herrschte. Mit dem Ergebnis, dass nach einer denkwürdigen Sitzung Vogt als alleiniger Kandidat in die Präsidentenwahl auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 28. März gehen wird. Alle anderen Kandidaten hatten aufgrund der kompletten Chancenlosigkeit gegen den beliebten und für sein bemerkenswertes Durchhaltevermögen von vielen Fans gefeierten Vogt offenbar abgewunken. Hitzlsperger hatte seine Kandidatur bereits vor Wochen zurückgezogen.

Die Ereignisse stellten eine erstaunliche Wende dar, hatte es in letzter Zeit doch den Anschein, dass eine Mehrheit im Vereinsbeirat die beispiellose Nicht-Nominierung des amtierenden Präsidenten tatsächlich befürwortet hätte. Am Ende heißt der Gewinner nun aber vorerst Vogt. Der offensichtliche Versuch des Stuttgarter Establishments, ihn aus dem Verein zu drängen, ist krachend gescheitert.

Özdemir: “Geht nicht um Gewinnen oder Verlieren”

“Bei dem, was zuletzt im Verein passiert ist, geht es nicht um Gewinnen oder Verlieren, es geht um den VfB. Und da hat der Riss, der durch den Verein ging in den letzten Wochen, ganz klar geschadet. Es ist gut und wichtig, dass jetzt die Weichen nach vorne gestellt werden. Deswegen bin ich auch dankbar für den Appell des Vereinsbeirats an die Mitglieder, sich an der nächsten Mitgliederversammlung zu beteiligen und von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen”, sagt Özdemir.

Bevor es Ende März zur Mitgliederversammlung kommen wird, stehen aber noch weitere personelle Konsequenzen an. Vizepräsident Rainer Mutschler, der seinerzeit die Kampagne zur Ausgliederung koordinierte, legte am Montag – extrem verspätet – sein Amt nieder. Jener Mutschler, der zuletzt gemeinsam mit Bernd Gaiser Vogt gleich zweimal im Präsidium überstimmt hatte.

Einmal bei der Entscheidung, gegen den ausdrücklichen Willen von über 140 Fanklubs Ende März eine außerordentliche – digitale – Mitgliederversammlung einzuberufen. Und das zweite Mal bei der Entscheidung, den Abschlussbericht der Kanzlei Esecon in der Datenaffäre vorerst nicht wie versprochen den Mitgliedern vollumfänglich zur Einsicht vorzulegen.

Özdemir: Vogt? Hitzlsperger? “Wir brauchen beide”

Pikant: Mutschler ist in der Datenaffäre belastet wie kaum ein anderer, gegen ihn wurde sogar ein Vereinsausschlussverfahren beantragt. Dennoch stellte er sich in seiner Erklärung als Opfer dar: “Für mich sind Teamgeist und Fairplay ganz besonders im Sport unverzichtbare Grundsätze für das Zusammenspiel auf und jenseits des Platzes. Diese Basis war in den zurückliegenden Monaten in der Zusammenarbeit im VfB-Präsidium nicht mehr gegeben.”

Mutschler, der wohl auch seinen Posten als administrativer Leiter des NLZ verlieren wird, dürfte nicht der letzte VfB-Funktionär sein, der die Affäre beruflich nicht überlebt. Gaisers Zeit beim VfB dürfte früher oder später genauso abzulaufen wie die von Kommunikationschef Oliver Schraft und Marketingleiter Uwe Fischer. Beide lassen ihre Posten derzeit wegen ihrer mutmaßlichen Verstrickung in die Datenaffäre ruhen. Hitzlsperger bekam zwar vom Aufsichtsrat Rückendeckung, aber nur mit dem Hinweis, die benötigten personellen Konsequenzen aus der Datenaffäre zügig zu ziehen, sobald sie rechtlich abgesichert sind.

Özdemir erwartet eine transparente Offenlegung des Abschlussberichts, plädiert dann aber dafür, den Blick nach vorne zu richten. “Wenn es darum geht, Vertrauen der Mitglieder und Fans zurückzugewinnen, geht es nur mit möglichst hoher Transparenz. Für eine erfolgreiche Zukunft beim VfB brauchen wir beide. Claus Vogt für den Verein und Thomas Hitzlsperger für den sportlichen Erfolg. Das darf kein Widerspruch sein, das muss zusammengehen”, meint Özdemir.

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