Hitzlspergers Tabubruch würde das letzte Versprechen brechen

Thomas Hitzlsperger hat beim VfB Stuttgart eine erstaunliche Funktionärskarriere hingelegt. Mit seinem gefährlichen Griff zur totalen Macht steht er nun für einen alten VfB Stuttgart, den Präsident Claus Vogt überwinden wollte. Gewinnen kann den Machtkampf nun keiner von beiden mehr. Ein Kommentar.

Ungeachtet der Frage, ob ein amtierender Vereinspräsident im deutschen Fußball schon mal vom höchsten Klub-Angestellten verbal geradezu hingerichtet wurde wie VfB-Präsident Claus Vogt am Mittwoch von Stuttgarts Vorstandsvorsitzenden, Sportvorstand und Möchtegern-Präsidentschaftsbewerber Thomas Hitzlsperger: In mindestens zwei Punkten irrt Letztgenannter gewaltig.

Erstens: Mit seiner Bewerbung für die Kandidatur um das Präsidentenamt des VfB Stuttgart und dem damit verbundenen Griff nach der absoluten Macht beim Aufsteiger hat der frühere Nationalspieler den Schwaben weit mehr als den von ihm beschriebenen “Kratzer” für das “Image des VfB” zugefügt. Ein Kratzer sei “besser als ein Totalschaden”, schrieb Hitzlsperger, während er den Karren mit der Zündung der ultimativen Eskalationsstufe selbst mit Karacho gegen die Wand fuhr.

Zweitens: Claus Vogts Bilanz in seinem ersten Jahr mag ausbaubar sein. Doch dass er (vielleicht als erster VfB-Präsident) sein Amt auch als Kontrolleur des Vorstands versteht und unbequeme Fragen stellt, ist schlicht das satzungsgemäße Recht und sogar die Pflicht des Präsidenten. Wenn Hitzlsperger dies als lähmend empfindet und ihm als Alternative nur einfällt, selbst nach der kompletten Macht zu streben, sollte er sein Demokratieverständnis hinterfragen.

Hitzlsperger hat in den vergangenen vier Jahren eine erstaunliche Funktionärskarriere hingelegt. Der Ex-Profi stieg vom Vorstandsberater zum Präsidiumsmitglied, zum Jugendleiter, zum Sportvorstand und letztendlich zum Vorstandsvorsitzenden auf.

Immer wieder betonte er, noch längst nicht alles zu wissen und schnell lernen zu wollen. Das war sympathisch und erfrischend anders. Und er lernte ja schnell. Nun steht er aber, ob er das wollte oder nicht, für den alten VfB Stuttgart. Für den nicht gerade sympathischen, streitsüchtigen VfB von vorgestern. Für einen VfB, dem egal ist, welcher Chef das Geld verbrennt, solange der sich als starker Mann präsentiert. Für einen VfB, den Vogt überwinden wollte.

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