Der hat Power im Arsch”

Am Samstag (ab 18.30 Uhr im LIVETICKER) steigt das Bundesliga-Topspiel zwischen Tabellenführer Bayer Leverkusen und Rekordmeister FC Bayern. Reiner Calmund, früherer Manager und Geschäftsführer des Werksklubs, gibt im Kurzinterview mit SPOX und Goal seine Einschätzung zu der Partie ab und spricht über den Leverkusener Höhenflug unter Peter Bosz.

Außerdem äußert sich der 72-jährige Rheinländer lobend zu den Leverkusener Talenten Florian Wirtz (17) und Edmond Tapsoba (21) – sowie Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic (43).

Herr Calmund, gehen Sie mit, wenn man sagt, dass Bayer Leverkusen derzeit den attraktivsten Fußball in der Bundesliga spielt?

Reiner Calmund: Das würde ich auch sagen. Das Schöne daran ist ja, dass man vor der Saison nicht damit gerechnet hätte. Mit Kai Havertz und Kevin Volland sind die besten Offensivspieler gegangen, dann haben sich auch noch viele Spieler verletzt. Aranguiz, Kapitän und Nationalspieler, fehlt schon länger, ebenso wie Paulinho und Palacios. Insofern bin ich sehr erfreut, aber auch erstaunt, dass die Mannschaft so gut spielt.

Welchen Anteil hat Peter Bosz daran?

Calmund: Er ist der Trainer, er stellt die Mannschaft ein – also ist sein Anteil riesig. Man muss aber immer das große Ganze sehen. In der Führungsetage ist man mit Fernando Carro, Rudi Völler und Simon Rolfes top aufgestellt, man vertraut sich gegenseitig. Das ist der Grundstein für den Erfolg. Als ehemaliger Manager bin ich sehr froh, dass bei Bayer Leverkusen auch abseits des Platzes alles stimmt.

Calmund: “Schade, dass Tapsoba keinen deutschen Pass hat”

Wundern Sie sich, dass Leverkusen Kai Havertz nicht vermisst?

Calmund: Bei Kai Havertz sage ich immer: Bayer Leverkusen hatte keinen Spieler, der mit 21 schon so gut war wie er. Auch ein Ballack oder ein Emerson nicht. Trotzdem hat man seinen Abgang gemeinschaftlich kompensiert. Einige Spieler haben sich im Vergleich zur vergangenen Saison deutlich gesteigert.

Zum Beispiel?

Calmund: Ich denke da an Bailey, der ja praktisch von den Toten auferstanden ist. Oder Diaby. Das sind gute, talentierte Spieler. Auch in der Defensive hat sich die Mannschaft weiterentwickelt. Mir gefällt der junge Mann aus Burkina Faso, Tapsoba. Schade, dass der keinen deutschen Pass hat, sonst würde Jogi Löw nicht an dem vorbeikommen.

Auch Florian Wirtz ist in aller Munde.

Calmund: Ein riesiges Talent. Mit 17 so zu spielen, ist schon aller Ehren wert. Es kann natürlich sein, dass er auch mal in ein Loch fällt, aber was ich so bisher über ihn höre, ist nur positiv. Der hat nur gescheite Menschen um sich herum, das ist in diesem Geschäft enorm wichtig. Wenn er so weitermacht wie bisher, ist er auch bald ein Thema für die Nationalmannschaft. Vielleicht ja bei der WM in zwei Jahren.

Calmund: Bayer hat für Wirtz das “goldene Besteck rausgeholt”

Gut für Leverkusen, den Vertrag mit Wirtz vorzeitig bis 2025 verlängert zu haben.

Calmund: Den entscheidenden Schachzug hat man im vergangenen Jahr mit seiner Verpflichtung gemacht. Bei Köln haben sie es damals ziemlich verschlafen, ihn an sich zu binden. Leverkusen hatte den Vorteil, dass die Eltern des Spielers gesagt haben: “Wir wollen, dass du deine Schule hier fertig machst.” Die Familie wohnt ja vor den Toren Kölns, und zur Bay-Arena braucht er vielleicht fünf Kilometer mehr als zum Kölner Stadion. Insofern hatte Leverkusen einen Vorteil gegenüber den anderen interessierten Vereinen. Und ich weiß, dass sie für diesen Spieler wirklich das goldene Besteck rausgeholt haben. Carro, Völler, Rolfes – die alle sind damals zu dem Jungen nach Hause gefahren, um ihn von Leverkusen zu überzeugen. Das hinterlässt natürlich Eindruck, auch bei den Eltern.

Trauen Sie der Leverkusener Mannschaft um Wirtz den Gewinn der Meisterschaft zu?

Calmund: Nachdem wir es 2002 vermasselt haben, würde ich mich riesig darüber freuen. Man muss aber auch realistisch sein. Ich war ehrlich gesagt froh, als die Bayern unter der Woche gegen Wolfsburg gewonnen haben. Klingt im ersten Moment vielleicht komisch, aber es wäre nicht gut gewesen, wenn der Tabellenfünfte aus Wolfsburg da gepunktet hätte. Bayer Leverkusen sollte zusehen, am Ende in die Champions League zu kommen. Die Hauptkonkurrenten heißen Leipzig und Gladbach.

Calmund: Der FC Bayern ist das Maß aller Dinge

Was erwarten Sie sich vom Topspiel gegen Bayern?

Calmund: Ein Unentschieden würde ich nehmen. Die Bayern haben aktuell vielleicht nicht ihr bestes Mittelfeld beisammen, aber immer noch Neuer und Lewandowski. Für mich ist dieser Verein das Maß aller Dinge. Und auch hier spreche ich nicht nur von dem, was auf dem Platz passiert. Die Verantwortlichen machen auch nach der Ära Uli Hoeneß einen überragenden Job. Man ist mit Leuten wie Herbert Hainer top aufgestellt und muss sich auch nicht den Kopf zerbrechen, wenn Karl-Heinz Rummenigge aufhört, weil mit Oli Kahn der nächste Fachmann und Fußballkenner bereitsteht. Mit Salihamidzic haben sie sowieso einen guten Fang gemacht.

Wurde Salihamidzic unterschätzt?

Calmund: Von mir nicht. Ich habe schon vor zwei Jahren gesagt, dass er den Bayern helfen wird, weil er das Geschäft kennt, fünf Sprachen spricht und mit Herzblut bei der Sache ist. Auch Uli und Kalle waren immer sehr mit ihm und seiner Arbeit einverstanden, wenn ich mal mit ihnen über Salihamidzic gesprochen habe. Für eine genaue Einschätzung bin ich sicherlich der falsche Ansprechpartner. Bei dem wusste ich aber: Der hat Power im Arsch.

Die Tabelle der Bundesliga vor dem 12. Spieltag

PlatzTeamSp.ToreDiffPkt.
1.Bayer Leverkusen1227:101728
2.Bayern München1237:181927
3.RB Leipzig1224:91527
4.Borussia Dortmund1225:16922
5.Wolfsburg1219:13621
6.1. FC Union Berlin1225:17818
7.VfB Stuttgart1226:19718
8.Borussia M’gladbach1223:20318
9.FC Augsburg1215:17-216
10.Eintracht Frankfurt1219:22-314
11.SC Freiburg1216:22-614
12.Hertha BSC1219:20-113
13.TSG Hoffenheim1219:22-312
14.Werder Bremen1215:21-611
15.1. FC Köln1213:21-810
16.Arminia Bielefeld128:23-157
17.1. FSV Mainz 051212:25-136
18.Schalke 04128:35-274

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